Wieviel Geld brauchst du wirklich, um finanziell frei zu sein?

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Jeder, der finanzielle Freiheit anstrebt, hat sich sicherlich bereits gefragt, über wieviel Vermögen er eigentlich verfügen sollte, um unabhängig von zukünftigem Arbeitseinkommen zu sein. Denn das ist es letztendlich, was finanzielle Freiheit auszeichnet.

Du kannst dich per Definition als finanziell frei bezeichnen, wenn du in der Lage bist, dich heute zur Ruhe zu setzen und deine Lebenshaltungskosten dauerhaft und nachhaltig durch dein Vermögen gedeckt sind. Der Punkt, an dem sich eine Person als finanziell frei bezeichnen kann, ist also nicht ein fixer Geldbetrag, sondern individuell sehr variabel!

Finanzielle Freiheit hängt damit insbesondere von den folgenden beiden Variablen ab:
    1. Lebenshaltungskosten
    2. Vermögen

In jedem Fall kannst du dich aber dann als finanziell frei ansehen, wenn durch die Entnahmen mit der du deine Lebenshaltungskosten bestreitest, dein Vermögen bis zum Lebensende nicht aufgezehrt ist.

Bestimme deinen Minimalkapitalbedarf, um finanziell frei zu sein!

Nun wissen wir, dass finanzielle Freiheit eng mit unseren Lebenshaltungskosten verknüpft ist und sich daraus ableitet, welches Vermögen wir benötigen, um finanziell unabhängig zu sein. Was wir jedoch noch nicht wissen, ist, wie wir unseren Minimalkapitalbedarf bestimmen können. Die nachfolgenden Erläuterungen sollen dir bei der Bestimmung deines Minimalkapitalbedarfs behilflich sein, dass du deine finanzielle Freiheit strukturiert planen kannst. Zuerst müssen wir aber noch kurz über die sichere Entnahme Rate sprechen.

Was ist die sichere Entnahme Rate?

Die sichere Entnahme Rate oder abgekürzt „SER“ ist ein leicht verständliches Konzept, welches dir erleichtern soll, die Höhe des Vermögens zu bestimmen, dass du benötigst, um finanziell frei zu sein.

Denn die sichere Entnahme Rate ist die maximale prozentuale Rate, die du deinem Vermögen zur Deckung der Lebenshaltungskosten entnehmen kannst, ohne Gefahr zu laufen, dein Vermögen in deiner Lebenszeit aufzubrauchen. Darum befindet sich das Wörtchen „sicher“ darin!

Das Konzept der „SER“ klingt plausibel und ist für jedermann einfach zu verstehen. Unglücklicherweise, wie das meistens im Leben ist, gibt es allerdings denn ein oder anderen unvorhersehbaren Aspekt!

Insofern du kein Hellseher bist, kannst du einfach nicht wissen, welchen wirtschaftlichen Schwankungen dein Vermögen in Zukunft ausgesetzt sein wird. Du weißt auch nicht, wie sich die Inflation und damit deine Lebenshaltungskosten während deiner Lebenszeit entwickeln werden. Wer weiß schon, ob in 20 Jahren ein Brot 10 € oder vielleicht sogar 100 € kostet!

Wieviel Vermögen benötigst du angesichts dieser Unsicherheiten also für einen Ruhestand in finanzieller Freiheit?

Die Antworten, die man auf diese Frage erhält, variieren stark. Finanzielle Laien (leider der weitaus größte Teil der Bevölkerung) tendieren dazu, ohne großes Überlegen eine zufällige Zahl zwischen einer und 100 Millionen € zu nennen.

“Reichtum besteht nicht darin, ein großes Vermögen zu besitzen, sondern wenige Wünsche zu haben.”Epiktet

Finanzberater hingegen werden dir erzählen, dass dies von deinem Einkommen vor dem Ruhestand abhängt, (mit der impliziten Annahme, dass du fast das gesamte verdiente Geld ausgibst) und landen dann am Ende irgendwo zwischen 2 und 10 Millionen €. Häufig wird zudem damit kalkuliert, dass das gesamte Erstparte bis zum Tode komplett aufgezehrt wird. Lebt man länger als kalkuliert wurde, hat man eben Pech gehabt! Zumal ein solch hoher Geldbetrag wohl für die meisten nur ein Wunschtraum bleibt, da es als Arbeitnehmer so gut wie ausgeschlossen ist, diesen jemals anzusparen!

Machen wir uns etwas mehr Gedanken über das Thema finanzielle Freiheit, kommen wir mit etwas Bemühen der Wahrheit ein ganzes Stück näher! Mit diesen zwei Schritten kannst du die Höhe deines Vermögens bestimmen, ab dem du finanziell frei bist.

Schritt 1: Berechne deine jährlichen Lebenshaltungskosten!

Du solltest dir darüber klar werden, wieviel Geld du durchschnittlich aktuell in einem Jahr benötigst. Betrüge dich nicht selbst, sondern sei realistisch! Bist du eher der spartanische Typ und kommst mit 12.000 € jährlich gut um die Runden (z. B. weil deine Kosten niedrig sind, da du keine Miete zahlen musst), oder benötigst du eher 35.000 € jährlich? Gehen wir einmal davon aus, dass du aktuell 2.000 € monatlich benötigst, dann erhalten wir 24.000 € an jährlichen Lebenshaltungskosten.

Schritt 2: Berechne die sichere Entnahme Rate!

Nimm deine Lebenshaltungskosten pro Jahr (Jahresausgaben), in unserem Fall also 24.000 € und multipliziere dies mit einer Zahl zwischen 20 und 50. Das Ergebnis dieser Multiplikation zeigt dir die benötigte Vermögenshöhe für den Ruhestand in finanzieller Freiheit. Über den Multiplikator legst du hierbei die von dir angenommene sichere Entnahme Rate fest. Wählst du hier bspw. die Zahl 25, gehst du davon aus, dass bei einer jährlichen Entnahme Rate in Höhe von 4 % dein Vermögen nachhaltig auf lange Sicht erhalten bleibt. Warum wir hier die 25 wählen? Du wirst schon sehen!

Unsere Rechnung lautet:
24.000 € * 25 = 600.000 €

Hinweis: Jeder der aufgepasst hat, dem fällt auf, dass diese 600.000 € bei 4 % jährlicher Entnahme ja lediglich 25 Jahre halten. Vermutlich sogar kürzer, da das Geld aufgrund der Inflation weniger wert wird und die Lebenshaltungskosten steigen werden. Das ist richtig! Zumindest wenn du dein Geld einfach auf dem Konto liegen hast. Warum das für uns trotzdem kein Problem ist, erklären wir dir etwas später!

Wie beeinflusst die Multiplikationszahl das benötigte Vermögen?

Die Multiplikationszahl ist zugleich auch die Anzahl an Jahren, die du von deinem Vermögen, bei deinen aktuellen Lebenshaltungskosten, zehren könntest, bis das Geld komplett aufgebraucht ist.

Je höher die Multiplikationszahl gewählt ist, umso niedriger ist die von dir angesetzte sichere Entnahme Rate. Je niedriger deine sichere Entnahme Rate ist, desto konservativer ist dein Ansatz, aber desto höher ist auch das vorausgesetzte Vermögen für einen Ruhestand in finanzieller Freiheit. Wählst du z. B. die Zahl 35 als Multiplikator, ist die sichere Entnahmen Rate bei 2,85 % und du benötigst schon 840.000 € an Vermögen.

Wir favorisieren als einfache Faustregel eine sichere Entnahme Rate von 4 % (Multiplikator 25) zur Bestimmung des für die finanzielle Freiheit benötigten Vermögens. Warum dies unser Favorit ist, und weshalb man von sicherer Entnahme Rate spricht, erfährst du jetzt!

Warum sind 4 % Entnahme sicher?

Als in Finanzfragen kompetenter Mensch ist dir bewusst, dass du dein Geld nicht einfach auf dem Konto parken kannst, da dieses so automatisch weniger wert wird. Es ist also für das hier vorgestellte Konzept unabdingbar, dass du dein Geld investierst!

Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.Jean-Jacques Rousseau

Wir sind zwar keine Fans von Anleihen, aber stell dir vor, du hast dein Vermögen zu 50 % in Aktien und zu 50 % in Anleihen von Schuldnern bester Bonität investiert. Die langfristige jährliche Durchschnittsrendite, bestehend aus der Summe von Dividenden, Zinszahlungen und auch aus Wertsteigerungen von Aktien, kann basierend auf historischen Erfahrungswerten bei dieser Vermögensallokation durchschnittlich und vernünftigerweise in Höhe von 7 % pro Jahr veranschlagt werden.

Diese 7-%-Rendite berücksichtigen jedoch noch nicht die Inflation. Die Inflation entwertet dein Vermögen im Schnitt mit einer Rate von 3 % pro Jahr. Um das Vermögen also in realer Kaufkraft auf lange Sicht zumindest konstant zu halten, bleiben nach der bisherigen historischen Erfahrung also genau diese 4 % übrig, die man verlässlich jährlich entnehmen konnte, ohne das Vermögen langfristig aufzuzehren.

Wie robust ist dieses Konzept?

Es bleibt jedoch fraglich, wie belastbar, diese auf historischen Werten basierende idealisierende Annahme ist. Ist eine 4 % sichere Entnahme Rate zur Bestimmung der für die nachhaltige finanzielle Freiheit erforderlichen Vermögenshöhe konservativ genug?

Die Kursentwicklungen haben in der Realität die schlechte Angewohnheit, zumindest auf kurze und mittlere Sicht gesehen, sich nicht an diese idealisierten Durchschnittswerte zu halten. Aktien können in einem Jahr stark fallen um im nächsten Jahr genauso, oder sogar noch stärker steigen. Ähnlich verhält es sich mit der Inflationsrate.

Auf lange Sicht, damit sind mehrere Jahrzehnte gemeint, beweisen die angenommenen Durchschnittswerte jedoch, dass sie extrem belastbar sind. Denn in den von uns angenommen Durchschnittswerten sind sowohl die letzte Finanzkrise, als auch gravierende Ereignisse der Vergangenheit, wie die große Depression, beide Weltkriege, der Kalte Krieg, verschiedene Währungsreformen, diverse andere Crashs, Ölkrisen, Wirtschaftskrisen sowie Perioden unterschiedlichster Inflationsraten und Zinssätze, enthalten.

Man kann angesichts dessen, wohl mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die beobachteten langfristigen Durchschnittsrenditen der Vergangenheit auch in Zukunft, zumindest auf lange Sicht gesehen, weiterhin Gültigkeit haben und diese ziemlich unabhängig davon sind, welche krisenhaften Entwicklungen auftreten werden.

Lass uns ein paar Szenarien durchspielen!

Hättest du bspw. Anfang der 90er Jahre beschlossen dich zur Ruhe zu setzen, da du nach der 4 % sicheren Entnahme Rate über ausreichend Vermögen verfügt hast, hättest du in den nachfolgenden Jahren bis 2000 einen derart starken Aufschwung an den Aktienmärkten mitgemacht, dass du so reich gewesen wärst, dass dich der nachfolgende starke Crash (Dotcom-Blase) nicht sonderlich gejuckt hätte.

Hättest du dich hingegen im Jahr 2000 zur Ruhe gesetzt, wärst du vermutlich etwas mehr ins schwitzten gekommen. Eine 4 prozentige sichere Entnahme Rate hätte jedoch beide Situationen souverän gemeistert! Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass der Zeitpunkt, ab dem man sich auf sein Vermögen verlässt, bzw. die nachfolgende Entwicklung dessen, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Entwicklung des Vermögens im Ruhestandzeitraum hat.

Die Beachtung der 4-prozentigen Entnahme Rate hätte jedoch bei allen vergangenen Kursentwicklungsmöglichkeiten sichergestellt, dass dein Vermögen während eines 30 jährigen Ruhestandszeitraums, unabhängig von dessen Beginn und den nachfolgenden Kursentwicklungen, nie aufgebraucht worden wäre!

Wie sieht es mit einem Ruhestandszeitraum von über 30 Jahren aus?

Du frägst dich nun sicher, völlig zu Recht, wie es bei längeren Ruhestandszeiträumen aussieht. Angenommen du hast das benötigte Vermögen bereits angespart und du bist aktuell erst 35 Jahre alt, möchtest jedoch 100 Jahre alt werden. Falls du dich heute zur Ruhe setzen möchtest, hättest du also einen 65 Jahre langen Zeitraum für das dein Vermögen reichen müsste. Hätte dieses Konzept in der Vergangenheit auch für solch einen langen Zeitraum ausgereicht, deine finanzielle Freiheit zu sichern? Ohne jetzt manuell alle möglichen 65 Jahreszeiträume der Vergangenheit durchzugehen: Die kurze Antwort laute JA!

Eine 4-%-Entnahme hätte auch in allen denkbaren 65 Jahreszeiträumen der Vergangenheit funktioniert und dafür gesorgt, dass dir das Geld nicht ausgegangen wäre. Warum ist das so? Wir wollen dich jetzt nicht mit den mathematischen Details langweilen, jedoch ist es glücklicherweise so, dass Ruhestandsperioden von über 30 Jahren kaum mehr die Höhe der kalkulierten sicheren Entnahme Rate beeinflussen können. Denn es macht so gut wie keinen Unterschied, ob man bei der Kalkulation der sicheren Entnahme Rate nun mit einer 30-Jahres-Periode oder einer Periode mit unendlicher Länge rechnet.

Die Annahme, dass es sich bei einer Entnahme Rate in Höhe von 4 %, unabhängig von der Dauer des Zeitraums für den die finanzielle Freiheit angestrebt ist, um eine nachhaltig „sichere“ Entnahme Rate handelt, scheint angesichts der vorheriger Ausführungen ausreichend gut begründet zu sein. Diese 4 % sind historisch gesehen der kritische Punkt, an dem das Geld für immer reichen würde!

Sicher, ist dir nicht sicher genug?

Du möchtest noch einen zusätzlichen Sicherheitspuffer einbauen, um ganz sicher zu sein niemals ohne Geld dazustehen? Rechne einfach mit Entnahmeraten von 3, 2 oder gar einem %. Dies schadet keinesfalls! Jedoch erhöht sich dadurch natürlich auch das Vermögen, das du benötigst, um dich als finanziell frei ansehen zu können, dramatisch.

Wir gehen jedoch aufgrund obiger Erläuterungen davon aus, dass man auch in Zukunft mit einer 4-prozentigen Entnahme Rate sicherstellen können wird, dass das Vermögen während der Lebenszeit nicht aufgezehrt wird.

Welches Vermögen benötigst du persönlich, um dich bei einer Entnahme Rate von 4 %, als finanziell frei bezeichnen zu können? Nun, wie wir gesehen haben, hängt dies in erste Linie von deinen Lebenshaltungskosten, also deinen Ausgaben ab. In unserem Beispiel gehörst du bereits mit 600.000 € zum Club der finanziell freien. Das ist natürlich immer noch ein riesiger Haufen Geld, aber mit ein wenig Planung, sowie einer geschickten Vorgehensweise, ist diese Summe für fast jeden erreichbar.

Wie weit bist du von deinem Ziel, finanzielle Freiheit zu erreichen, noch entfernt? Oder hast du es sogar schon erreicht und weißt es vielleicht gar nicht?

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