Was ist die Margin of Safety?

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Die Margin of Safety, auf Deutsch Sicherheitsmarge, ist das zentrale Konzept im Value Investing. In der Definition zu Value Investing haben wir den inneren Wert (Intrinsic Value) als den Wert bestimmt, den du bei deiner Value Analyse für ein Unternehmen ermittelt hast. Der Intrinsic Value ist also nicht der Kurs, zu dem die Aktie an der Börse gehandelt wird, sondern der reale Wert, dem du einem Unternehmen auf Basis deiner Analyse zugestehst.

Wir haben in diesem Beitrag auch bestimmt, dass ein Value Investor bei seiner Analyse vor drei prinzipielle Szenarien gestellt werden kann, die lauten:

  1. Überbewertung – Der Börsenkurs liegt über dem inneren Wert
  2. Fair bewertet – Der Börsenkurs entspricht ungefähr dem inneren Wert
  3. Unterbewertet – Der Börsenkurs liegt unter dem inneren Wert

Du hast auch erfahren, dass ein Value Investor nur an Szenario 3, also unterbewerteten Unternehmen, interessiert ist.

Die Margin of Safety oder Sicherheitsmarge ist die Differenz eines unterbewerteten Unternehmens zu seinem inneren Wert.

“Eine Margin of Safety ist notwendig, da die Unternehmensbewertung eine ungenaue Kunst ist. Die Zukunft ist unsicher und Anleger sind auch nur Menschen die Fehler machen. Deshalb ist an dem Konzept der Margin of Safety festzuhalten. “Seth Klarman
Beispiel: Du hast berechnet, dass der innere Wert eines Unternehmens bei ca. 55 € pro Aktie liegt, jedoch steht der momentane Aktienkurs des Unternehmens bei lediglich 35 €. Kaufst du nun diese Aktie, liegt deine Margin of Safety bei ca. 20 €. In Prozent ausgedrückt hast du also eine Sicherheitsmarge von ca. 36 %.

Die Margin of Safety garantiert dir nicht, dass deine Beurteilung des Inneren Wertes richtig ist und sich infolgedessen dein Investment in dieses Unternehmen auszahlt. Die Sicherheitsmarge soll dir jedoch dabei helfen einen größeren Sicherheitspuffer bei deinem Investment zu haben, für den Fall das sich herausstellt, dass deine Kalkulation fehlerhaft war. Denn liegt der tatsächliche innere Wert bei 45 € und nicht 35 € pro Aktie, hast du durch deinen günstigen Kaufpreis immer noch verhältnismäßig gut gekauft.

Merke:
Das Konzept der Margin of Safety sorgt also nicht dafür, dass du bei jedem Investment einen Gewinn machst. Es soll vielmehr dafür sorgen, dass du, falls du dich geirrt hast, keinen allzu gravierenden, oder im Idealfall überhaupt keinen Verlust machst.

Warum es sinnvoll ist, die Margin of Safety zu ermitteln.

Selbstverständlich: Kein oder nur ein geringer Verlust im Vergleich zu einem höheren Verlust ist immer sinnvoll!

“Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.”Warren Buffett
Doch darauf wollen wir gar nicht hinaus! Vielmehr ist es wichtig sich mit der Frage zu beschäftigen, „was ist das Unternehmen, unabhängig von seinem aktuellen Marktpreis, eigentlich Wert“ und anhand dieser Bewertung, ein Unternehmen nur dann zu kaufen, wenn eine ausreichende Sicherheitsmarge, für Fehler die du bei deiner Bewertung gemacht hast, bereits einkalkuliert ist.

Setzt du dich also, bevor du in ein Unternehmen investierst, damit auseinander, wie viel dieses Unternehmen real Wert ist und kaufst es günstig genug, hast du eine größere Wahrscheinlichkeit besser abzuschneiden, als wenn du diese Überlegungen nicht anstellst.

Das Konzept der Sicherheitsmarge wird übrigens nicht nur beim Investieren angewendet. Dazu ein kleines Beispiel, damit du verstehst, was wir meinen:

Beispiel:
Nehmen wir an du bist Reifenproduzent und du stellst einen Reifen her, bei dem du den Kunden wissen lässt, dass die maximal erlaubte Geschwindigkeit 180 km/h ist. Tatsächlich legst du den Reifen aber für 210 km/h aus. Diese 30 km/h sind also für dich als Produzent die Sicherheitsmarge. Sollte jemand die 180 km/h voll ausschöpft oder sogar etwas schneller damit fahren, wird der Reifen nicht sofort platzten.

Was ist die richtige Margin of Safety für dich?

Du solltest dir klar werden, welches Risiko du als Investor generell bereit bist einzugehen, aber auch welche Margin of Safety du für ein bestimmtes Investment voraussetzt. Möchtest du bei deinen Investments eine Margin of Safety von 25 %, dann ermittelst du für ein Unternehmen den inneren Wert und kaufst die Aktien erst dann, wenn der Preis mindestens 25 % unter dem aktuellen Intrinsic Value liegt. Liegt der Marktpreis nicht so weit unter dem inneren Wert, beobachtest du das Unternehmen so lange bis entweder dein Wunschpreis eintrifft oder sich der innere Wert so weit erhöht hat, dass du die Aktien kaufen kannst.

Hinweis:
Du solltest aber nicht nur dein Risikoprofil bei der Auswahl der Margin of Safety beachten, sondern auch das zugrundeliegende Geschäftsmodell des Unternehmens. Du kannst dir zwar wünschen Coca Cola mit einer Sicherheitsmarge von 50 % zu kaufen, jedoch bleibt dies mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit nur ein Wunschtraum. Es ist zwar nicht unmöglich, aber hohe Qualität wird sehr selten zu Ramschpreisen verschleudert.

Was gibt Value Investoren sonst noch einen Sicherheitsspielraum?

Bei der Auswahl deiner Investments kannst du ebenfalls ein Augenmerk auf materielle Vermögenswerte (Cash, Sachanlagen und Vorräte) werfen. Immaterielle Vermögenswerte wie z. B. Goodwill, also Geschäfts- oder Firmenwerte aus Übernahmen, solltest du eher kritisch bewerten. Denn diese erhöhen häufig das Risiko einer Abschreibung, wenn sich herausstellt, dass der immaterielle Wert gesunken ist. Das heißt nicht, das es nicht auch hervorragende Investmentmöglichkeiten mit immateriellen Vermögenswerten, die ihren Wert völlig zu Recht haben, gibt.

Was gibt es noch zu beachten?

Du solltest dir nicht nur die Frage stellen, ob der aktuelle Preis im Rahmen deiner Sicherheitsmarge liegt, sondern auch die Frage beantworten können, warum der aktuelle Preis rabattiert ist. Denkst du, dass das Unternehmen vor Problemen steht, die es mit Leichtigkeit bewältigt, oder geht das Unternehmen vielleicht an diesen zugrunde? Das bedeutet: Finde heraus, warum andere Marktteilnehmer dem Unternehmen aktuell keinen höheren Wert zugestehen.

Werde dir darüber klar, warum du das Unternehmen kaufst! Verfolge regelmäßig, ob dein Kaufgrund noch erfüllt wird. Hat sich dein Kaufgrund in Luft aufgelöst, solltest du das Investment beenden!

Wann sollte das Investment generell beendet werden?

Hast du alles genau abgewogen und dich entschieden in ein Unternehmen, mit für dich ausreichender Sicherheitsmarge zu investieren, stellt sich die Frage, wann man sein Engagement am besten beendet?

Wenn du das Prinzip des Value Investing anwendest, solltest du das Unternehmen, insofern sich an deinen Kaufgrund nichts geändert hat, dann beenden, wenn das Unternehmen eine faire Bewertung an der Börse erreicht hat. Das bedeutet, steigt der Kurs auf den von dir ermittelten inneren Wert (denn du regelmäßig ermitteln solltest), ist es Zeit das Investment zu beenden.

Begründung: Behältst du die Aktien weiterhin, nachdem sie ihren inneren Wert übertroffen haben, mag es zwar sein das der Markt zu einer Überbewertung übergeht, jedoch steigt auch mit der Bewertung die Erwartung der Marktteilnehmer. Sind die Erwartungen hoch, können bereits kleinere Veränderungen und Probleme dafür sorgen, dass das Unternehmen von der Börse massiv abgestraft wird und die Kurse dementsprechend schnell fallen. Sind die Erwartungen gedämpft, wie es bei unterbewerteten Unternehmen oft der Fall ist, haben schlechte Nachrichten meistens nicht denselben negativen Effekt auf die Aktienkurse wie bei überbewerteten Aktien.

Ein weiterer Grund um ein Investment zu beenden, ist schlicht und einfach: Du hast ein deiner Ansicht nach profitableres Geschäft gefunden. Es gibt keinen Grund in diesem Fall an dem schlechteren Investment festzuhalten.

Ausnahme:
Hast du ein 1A Unternehmen zu einem absoluten Schnäppchenpreis gefunden (z. B. in einem Börsencrash), solltest du, insofern sich das Geschäftsmodell nicht verschlechtert, niemals verkaufen!

Fazit zur Margin of Safety:

“Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.”Winston Churchill
Wie du siehst, ist das Prinzip der Margin of Safety dafür gemacht, dein Risiko zu minimieren. Jeder Investor sollte immer daran interessiert sein, das eingegangene Risiko so klein wie möglich zu halten. Wird das Konzept der Margin of Safety eingehalten, ist man sich darüber im Klaren, wann ein Wert zu kaufen und wann zu verkaufen ist.

Nachdem ein Investor jedoch niemals vorhersagen kann, wie sich ein Unternehmen oder die Zukunft ändert, solltest du deine Sicherheitsmarge eher konservativ wählen, um dir mehr Spielraum für Fehler einzuräumen.

Fehler zu begehen, auch als Investor, ist etwas völlig Normales! Es liegt jedoch an uns, aus diesen Fehlern zu lernen!

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