Risikominimierung mit dem dynamischen Verschuldungsgrad!

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Im letzten Beitrag haben wird dir den Verschuldungsgrad (Debt/Equity Ratio) vorgestellt. In diesem Beitrag geht es darum, der Verschuldung eines Unternehmens anhand des Cash Flows auf den Zahn zu fühlen.

Der dynamische Verschuldungsgrad (Cash Flow To Debt Ratio) soll uns dabei die Frage beantworten, wie viel Prozent seiner Gesamtschulden das Unternehmen anhand seines Cash Flows pro Jahr bezahlen kann. Neben dem klassischen Cash Flow To Debt Ratio werden ich auch eine etwas konservativere bzw. verlässlichere Berechnungsmethode zeigen!

Anmerkung: Der dynamische Verschuldungsgrad und das amerikanische Cash Flow To Debt Ratio sind zwar in der Grundaussage identisch, jedoch werden bei der Berechnung Zähler und Nenner vertauscht. Wir werden uns hier an der amerikanischen Berechnung orientieren. Dazu später mehr!

Wie wird der dynamische Verschuldungsgrad berechnet

Die Berechnung des dynamischen Verschuldungsgrades erfolgt dadurch, dass wie den operativen Cash Flow (Operating Cash Flow) durch die gesamten Schulden (Total Debt) teilen.

Formel:

Formel dynamischer Verschuldungsgrad

Beispiel:

Beispiel dynamischer Verschuldungsgrad

Diese 0,64 bzw. 64 % sagen uns als Investor nun, dass das Unternehmen in der Lage ist, 64 % seiner gesamten Verbindlichkeiten anhand seines operativen Cash Flow innerhalb eines Jahres zu bezahlen.

Deutsche Variante: Hier werden Zähler und Nenner vertauscht. Die Berechnung lautet also 850 € / 550 € = 1,54. Die 1,54 des Ergebnisses sagen uns nun das das Unternehmen ca. 1,5 Jahre benötigt um seine gesamten Schulden anhand seines aktuellen operativen Cash Flows zu bezahlen. Die Aussage ist zwar dieselbe, jedoch gefällt mir persönlich die amerikanische Variante besser, weshalb ich diese verwende! Selbstverständlich ist es jedoch dir überlassen, welche Variante du verwenden möchtest.

Wie interpretiere ich den dynamischen Verschuldungsgrad (Cash Flow To Debt Ratio)?

Generell gilt hier das Prinzip, je mehr Prozent der Schulden durch den operativen Cash Flow innerhalb eines Jahres bedient werden könnten desto besser.

Auf was solltest du noch achten? Den Zusammenhang!

Du hast den dynamischen Verschuldungsgrad berechnet und bist mit dem Ergebnis zufrieden? Leider bist du noch nicht fertig, denn du musst diesen im Kontext betrachten. Mit Kontext meine ich hier das du folgende Fragen beantworten können solltest:

  1. Wie hat sich der dynamische Verschuldungsgrad die letzten 5 Jahre (oder länger) verändert? Ist er gestiegen oder gefallen?
  2. Wie sieht der dynamische Verschuldungsgrad anderer Unternehmen innerhalb derselben Branche aus? Besser oder schlechter?
  3. Ist die Branche generell kapitalintensiv (mehr Schulden und niedrige Cash Flow to Debt Ratio´s)

Auch ist es wichtig ein Gespür dafür zu entwickeln, ob wir uns eher in einer wirtschaftlich schweren oder guten Phase befinden. Ein schwieriges ökonomisches Umfeld zeichnet sich dadurch aus, dass der Cash Flow schrumpft, die Schulden jedoch nicht sinken oder diese sogar steigen! Je höher das Ergebnis des dynamischen Verschuldungsgrades (vorsichtig: bei der deutschen Methode genau andersherum!) des jeweiligen Unternehmens ist, desto besser kann es schwierigen ökonomischen Bedingungen trotzen.

Darüber hinaus kann ein hoher Fremdkapitalanteil im Fall steigender Zinsen ein Unternehmen in Bedrängnis bringen. Denn steigende Zinsen führen zu steigenden Zinszahlungen, was bei einer hohen Schuldenlast auch bei stabilen Einnahmen zu Liquiditätsengpässen oder sogar zur Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens führen kann.

Der dynamische Verschuldungsgrad berechnet anhand des Free Cash Flow´s

Eine etwas konservativere Variante um den dynamischen Verschuldungsgrad zu berechnen ist, statt des operativen Cash Flow den freien Cash Flow zu nutzen. Das Nutzen des Free Cash Flows ist daher konservativer, da bei diesem die Investitionskosten (Capital Expenditures) vom operativen Cash Flow abgezogen werden. Der Free Cash Flow ist somit das dem Unternehmen tatsächlich zur freien Verfügung stehende Geld. In dem Beitrag über die Free Cash Flow Yield gehe ich etwas detaillierter auf die Berechnung und den Free Cash Flow im Allgemeinen ein.

Darüber hinaus gelten allerdings dieselben Bedingungen wie bei dem „normalen“ Verschuldungsgrad. Dadurch, dass der Free Cash Flow allerdings aufgrund der subtrahierten Investitionskosten immer kleiner als der operative Cash Flow ist, ist auch das prozentuale Ergebnis logischerweise niedriger.

Der Nutzen des Free Cash Flow zur Berechnung des dynamischen Verschuldungsgrades ist genau deswegen eine noch verlässlichere und genauere Information darüber, wieviel % seiner Schulden das Unternehmen jährlich bei gleichbleibendem Cash Flow tatsächlich zurückzahlen könnte, da es über dieses Geld frei bestimmen kann.

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1 Kommentar auf "Risikominimierung mit dem dynamischen Verschuldungsgrad!"

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Tobias
Gast

Die Beiträge zu Value Investing sind allesamt top. Auf das Wesentliche zusammengefasst und verständlich erklärt. Ich würde mich über neue Beiträge sehr freuen.

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