Mit dem Verschuldungsgrad (Debt/Equity Ratio) das Risiko minimieren!

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Der Verschuldungsgrad (Debt/Equity Ratio) gibt uns einen Hinweis darauf, wie riskant eine Investition in das jeweilige Unternehmen sein kann. Riskant deshalb, weil ein hoher Schuldenberg auch immer ein höheres Bankrottrisiko des jeweiligen Unternehmens bedeuten kann.

Der Verschuldungsgrad zeigt uns in Form einer Verhältniszahl bzw. eines Prozentwertes an, wie stark das jeweilige Unternehmen im Verhältnis zu seinem Eigenkapital (Equity) verschuldet ist. Es beantwortet also die Frage, wieviel Prozent der Unternehmensfinanzierung von Gläubigern, im Verhältnis zu dem Geld der Investoren, stammt. Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto mehr wird durch Fremdkapital finanziert.

So wird der Verschuldungsgrad (Debt/Equity Ratio) ermittelt.

Die Berechnung des Verschuldungsgrades ist relativ simpel. Hierzu nimmst du die Gesamtverbindlichkeiten (Total Liabilities) und dividierst diese durch das Eigenkapital (Stockholders Equity).

Formel zur Berechnung des Verschuldungsgrades:

Verschuldungsgrad (D/E Ratio) = Gesamtverbindlichkeiten (Total Liabilities) / Eigenkapital (Shareholders Equity)

Verschuldungsgrad

Nachdem wir nun wissen, wie sich der Verschuldungsgrad berechnen lässt, müssen wir diesen nur noch richtig interpretieren können. Bedienen wir uns dazu 3 einfacher Beispiele, die den Verschuldungsgrad besser verdeutlichen.

Beispielunternehmen 1:

Nehmen wir an, ein Unternehmen hat Gesamtverbindlichkeiten von 1000 € und das Eigenkapital beträgt 500 €. Wie sähe der Verschuldungsgrad nun aus?

Rechnung: 1000 € / 500 € = 2

Nun stellt sich uns die Frage, welchen Schluss wir aus dieser 2 (oder 200 %) ziehen können. Die 2 bedeutet, dass die Gläubiger aufgrund der Schulden 66,6 % der Aktiva des Unternehmens finanziert haben. Lediglich 33,3 % des Unternehmens ist zum aktuellen Zeitpunkt durch die Aktionäre finanziert.

Beispielunternehmen 2:

Unternehmen 2 hat 1000 € Fremdkapital und 1000 € Eigenkapital in seiner Bilanz (Balance Sheet )ausgewiesen. Auch hier wollen wir wieder den Verschuldungsgrad bestimmen.

Rechnung: 1000 € / 1000 € = 1

Ein Verschuldungsgrad von 1 (oder 100 %) bedeutet das das Unternehmen zu gleichen teilen durch Aktionäre und Gläubiger finanziert ist. Also 50/50.

Beispielunternehmen 3:

Unternehmen 3 benötigt nur recht wenig Fremdkapital zur Finanzierung. Aus der Bilanz (Balance Sheet) entnehmen wir, dass 500 € durch Fremdkapital finanziert wurden und 1000 € von den Aktionären stammt. Und wieder Berechnen wir den Verschuldungsgrad.

Rechnung: 500 € / 1000 € = 0,5

Die 0,5 (oder 50 %) zeigen uns hier das 66,6 % des Unternehmens aus dem Aktionärskapital finanziert sind und nur 33,3 % durch die Gläubiger.

Erklärung der prozentualen Berechnung: In Beispiel 1 erläutere ich das 66,6 % durch Gläubiger und 33,3 % durch die Aktionäre finanziert sind. Dieses prozentuale Ergebnis erhältst du, indem du die Fremdfinanzierung von 1000 € und das Aktionärskapital von 500 € addierst. Das Ergebnis von 1500 € stellt somit 100 % der Finanzierung dar. 1 % von 1500 € sind 15 €. Teilst du nun 1000 € durch 15 €, ist das Ergebnis 66,6, was der prozentuale fremdfinanzierte Anteil ist.

500 € (Eigenkapital) / 15 € (1 %) = 33,3 % (Anteil Aktionärskapital)

Die Berechnungen aus Beispiel 2 und 3 werden identisch vorgenommen!

Welche Schlüsse ziehen wir aus dem Verschuldungsgrad?

Wie du siehst, kannst du aus dem Verschuldungsgrad eine leicht verständliche Information über die Kapitalstruktur eines Unternehmens erhalten. Ein hoher Verschuldungsgrad zeigt dir dabei, dass das betreffende Unternehmen gewillt ist, seinen Wachstum, oder auch nur Erhalt der aktuellen Marktposition, durch hohe Schulden zu finanzieren. Für uns als Investor bedeutet ein hoher Verschuldungsgrad aber auch meistens hohes Risiko. Denn werden die Kosten der Schulden zu hoch besteht natürlich das Risiko, das das Unternehmen diese nicht mehr bezahlen kann, was letztendlich zum Bankrott führt.

Hinweis: Als Aktionär ist man Eigentümer des Unternehmens. Geht nun das betreffende Unternehmen bankrott, werden immer erst die Gläubiger ausbezahlt. Als Eigentümer können wir so im Worst Case 100 % unserer Investition verlieren. Unschön!

Beispiel aus der Realität:

Ein negatives Beispiel für einen sehr hohen Verschuldungsgrad finden wir bei Ford Motor Co. Berechnen wir also nun für das aktuelle Quartal (Dezember 2015) den Verschuldungsgrad von Ford Motor Co.

Rechnung: 196 Mrd. / 28,6 Mrd. = 6,8 (oder 680 %)

Das bedeutet, das die Aktionäre lediglich ca. 13 % des Unternehmens finanziert haben und etwas mehr als 87 % durch Gläubiger finanziert wurden. Kann das Management in solch einen Fall überhaupt noch die Interessen der Aktionäre vertreten oder haben die Gläubiger in dem Unternehmen das sagen? Solch eine Kapitalstruktur verheißt meist nichts Gutes.

Verschuldungsgrad: Was ist gut und was ist schlecht?

Generell kann man zwar die Aussage treffen, dass ein niedriger Verschuldungsgrad besser als ein hoher ist. Jedoch ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens auch immer von der Branche, in welcher dieses tätig ist, abhängig. Ford beispielsweise ist im Automobilbau tätig. Automobilbau ist eine extrem kapital- und wettbewerbsintensive Branche. Bevor man also eine Aussage treffen kann, ob der Verschuldungsgrad gut oder schlecht ist, sollte man diesen mit typischen Mitbewerbern vergleichen, um bessere Entscheidungen zu treffen.

Tipp: Generell ist es besser, Branchen in denen Unternehmen nur durch immense Investitionen (was oft hohe Schulden nach sich zieht) mit ihren Konkurrenten Schritthalten können, zu meiden. Ein Verschuldungsgrad von unter 1 ist aber in der Regel ein Zeichen für eine gesunde Kapitalstruktur.

Ist ein Verschuldungsgrad über 1 immer schlecht?

Bei manchen Unternehmen mit dauerhaftem und starkem Wettbewerbsvorteil ist die wirtschaftliche Situation häufig derart gut, das sie oft nur relativ kleine Mengen an Eigenkapital oder Gewinn einbehalten.

Z. B. können Unternehmen die ein sehr azyklisches Geschäftsmodell (z. B. Artikel des täglichen Bedarfs) betreiben, sich oft erlauben wenig Eigenkapital und relativ viel Fremdkapital aufzuweisen, da ihre Einnahmen relativ stabil und planbar sind.

Solche Unternehmen (mit dauerhaftem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil) geben ihre angesammelten einbehaltenen Gewinne häufig z. B. für Aktienrückkäufe aus, was das Eigenkapital und die einbehaltenen Gewinne schmälert, jedoch den Verschuldungsgrad häufig in dem Maße erhöht, dass dieser eher dem eines mittelmäßigen Unternehmens ohne dauerhaften Wettbewerbsvorteil ähnelt. Ein Verschuldungsgrad von über 1 muss also nicht immer zwingend schlecht sein!

Meistens ist es allerdings so, dass solide Unternehmen einen Verschuldungsgrad von unter 0,8 (je niedriger desto besser) besitzen.

Merke: Unternehmen, die häufig andere Unternehmen akquirieren, haben in ihrer Bilanz oft einen recht großen Posten Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert). Entspricht dieser Wert allerdings, aus welchem Grund auch immer, nicht der Realität, wird er früher oder später abgeschrieben. Die Abschreibung des Goodwill hat einen negativen Effekt auf den Verschuldungsgrad, da weniger Assets ein schlechteres Verhältnis von Eigenkapital zu Schulden bedeuten. Achte daher bei deinen Analysen auch immer auf den Goodwill und wie groß diese Position zu den anderen Vermögenswerten ist!

Fazit zum Verschuldungsgrad

Generell ist ein sehr niedriger Verschuldungsgrad ein positives Zeichen. Dennoch solltest du die unternehmensspezifischen Gegebenheiten berücksichtigen. Manche Unternehmen können es sich einfach Leisten mehr Schulden zu aufzunehmen als andere. Wieder andere haben einen vermeintlich niedrigen Verschuldungsgrad aufgrund eines aufgeblähten Goodwills. Wie immer musst du zwischen den Zeilen lesen und den Verschuldungsgrad richtig interpretieren, um die richtigen Schlüsse aus diesen zu ziehen. Dennoch ist der Verschuldungsgrad eine wichtige Kennzahl für deine Aktienanalyse, die du auf jeden Fall berücksichtigen solltest.

 

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