Fundamentale Aktienanalyse – Die Kunst ein Unternehmen zu bewerten!

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Bevor wir uns in späteren Beiträgen bestimmten Analyseformen und Verfahren widmen werden, erscheint es uns wichtig, an dieser Stelle ein paar generelle Worte zum Thema fundamentale Aktienanalyse zu verlieren. Egal ob wir Prinzipien des Value Investing, Growth Investing, eine Kombination aus beiden, oder andere Investmentansätze verfolgen, sie alle müssen, insofern sie auf ökonomischen Daten von Unternehmen beruhen, der fundamentalen Aktienanalyse zugeordnet werden.

Warum Aktienanalyse eher eine Kunst anstatt eine Wissenschaft ist!

Analysieren wir ein Unternehmen, auf welche Art auch immer, müssen wir eigentlich immer mit eigenen Annahmen arbeiten. Wie in allen Bereichen unseres Lebens auch, macht es einen großen Unterschied, ob diese Annahmen von einem Experten oder einem Anfänger getroffen werden.

Beispielsweise schätzt ein Fahranfänger eine potenziell gefährliche Situation im Straßenverkehr möglicherweise deutlich harmloser ein als ein Fahrer, der einige Hunderttausend Kilometern auf dem Buckel hat. Was diese beiden Typen trennt, ist schlicht ein enormer Unterschied an Erfahrung!

Beziehen wir das auf das Investieren an den Aktienmärkten, bedeutet dies, das die Annahmen eines erfahrenen Investors oder Anlegers oft auf einen größeren Erfahrungsschatz beruhen. Diese Erfahrungen lassen ihn z. B. ein treffenderes Analyseverfahren wählen, das Chance-Risiko-Verhältnis realistischer einschätzen, oder schlicht und einfach die Ergebnisse bei gleicher Aktienanalyse anders interpretieren.

Die Bewertung eines börsengehandelten Unternehmens ist in der Praxis meist nicht so einfach, wie es die graue Theorie verspricht. Der Anleger benötigt ein gewisses Grundgerüst an Erfahrung und Wissen, um sinnvolle Annahmen und Schlüsse aus Analysen zu ziehen. Die Kombination eines hohen Grades an Subjektivität, fundiertem Wissen und eigenen Erfahrungen, sorgen dafür, dass die fundamentale Aktienanalyse eher als eine Kunst, und nicht als reine Wissenschaft zu verstehen ist.

Anfänger sollten sich daher davor hüten, zu denken, dass sie immer richtig liegen, wenn ein Analyseverfahren ihnen bei ihrer Annahme recht gibt.

Merke:
  1. Eine Analysemethode ist meistens zu wenig um eine fundierte Entscheidung zu treffen.
  2. An den Finanzmärkten ist es wichtig, ein kritische Grundhaltung an den Tag zu legen.
  3. Versuche immer mehrere Blickwinkel auf ein Unternehmen zu haben.

Was ist das Ziel fundamentaler Aktienanalyse?

Fundamentale Aktienanalyse soll die ökonomische Basis eines Unternehmens erforschen. Durch sie sollen Fundamentaldaten wie Umsatz, Gewinn, Cashflow, Zustand und Zusammensetzung von Vermögenswerten, Verbindlichkeiten u.v.m. eines Unternehmens untersucht werden. Aber nicht nur diese sogenannten harten Faktoren sollten Teil der Betrachtung sein, sondern auch weiche Faktoren die ein Unternehmen stark beeinflussen können, wie z.B. Marktstruktur, Wettbewerbsposition, Burggraben, Managementqualität, Unternehmensführung, Zukunftspläne und Strategien, sollten in unseren Schlussfolgerungen über die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens mit einfließen.

Durch die fundamentale Aktienanalyse wollen wir Fragen beantworten wie z.B.:
  • Ist der Umsatz des Unternehmens in der Vergangenheit gewachsen und wächst er vermutlich in der Zukunft weiter?
  • Hat das Unternehmen Gewinne gemacht und macht es weiterhin Gewinne?
  • Wie ist die Marktposition des Unternehmens und wird es in Zukunft gegen seine Konkurrenten bestehen können?
  • Wie hoch ist die Verschuldung des Unternehmens und ist es in der Lage diese zu bedienen?
  • Zeigt uns der Cashflow des Unternehmens, das dieses gesund ist, oder fließt mehr Geld ab als hereinkommt?
  • Ist das Unternehmen aktuell teuer oder billig am Markt bewertet?

Ist die Bewertung gerechtfertigt?

Diese und viele weitere Fragen sollen durch die fundamentale Aktienanalyse Licht ins Dunkel bringen. Jeder ernsthafte Investor sollte die Fundamentaldaten einer Aktie untersuchen, da diese das „Fundament“ sind, auf denen der Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens fußt. Alle diese Fragen dienen letztendlich einem Zweck: Ist die Aktie des analysierten Unternehmens ein gutes oder schlechtes Investment?

Jeder Handwerker benutzt für verschiedene Aufgabe anderes Werkzeug. Die fundamentale Aktienanalyse ist dein Werkzeugkoffer!

Welche grundsätzlichen Probleme gibt es mit fundamentaler Aktienanalyse?

„An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil.”André Kostolany
Ist man auch der beste Investor der Welt und weiß seinen Werkzeugkoffer sinnvoll einzusetzen, kann die fundamentale Aktienanalyse jedoch niemals alle Probleme die uns als Investor treffen können, vorhersagen.

  1. Zukünftige Unsicherheiten (höhere Gewalt)

Die Zukunft ist immer ungewiss! Wir können als Investor nicht wissen, wie zukünftige Entwicklungen unsere Investments beeinflussen. Wirtschaftskrisen, Kriege, Streiks, politische Veränderungen und viele andere unvorhersehbare Aspekte können unsere Analyse stark beeinträchtigen oder sogar bedeutungslos machen.

  1. Falsche Annahmen in unseren Kalkulationen

Obwohl, wie in Punkt eins geschildert die Zukunft niemals vorhergesagt werden kann, müssen wir als Investor trotzdem Annahmen treffen. Wir können nur schätzen wie sich der Umsatz oder Gewinn entwickelt, ob die Kapitalstruktur aus Fremd- und Eigenkapital weiterhin positiv bleibt, ob das Management zukünftig einen guten Job macht, ob die Produkte weiterhin beliebt sind. All dies sind lediglich Annahmen, welche sich als richtig oder falsch herausstellen können. Begehen wir Fehler in unseren Kalkulationen oder missachten einen einzigen Faktor, kann dies bereits dramatische Auswirkungen auf unsere Investmententscheidung haben. Treffen wir Annahmen sollten wir eher konservative Szenarien nutzen!

  1. Kein klar definierter Zeitrahmen

Sind wir uns sicher das ein Unternehmen unterbewertet ist, gehen wir davon aus, dass der Markt im Laufe der Zeit den wahren Wert der Aktie erkennt und der Kurs steigt. Was wir jedoch nicht wissen ist, wie lange dieser Vorgang dauert. Insofern sich keine bessere Investmentmöglichkeit bietet, bedeutet dies, dass unsere Mittel für eine ungewisse Zeitspanne geblockt sind.

Fundamentale Aktienanalyse ist unabdingbar für ernsthafte Anleger!

Auch wenn es insbesondere für Anfänger schwierig ist, Unternehmen anhand ihrer ökonomischen Daten zu analysieren, ist es für Investoren und Anleger, die verstehen möchten, in was für ein Unternehmen sie investieren, existenziell wichtig fundamentale Analysemethoden anzuwenden.

Aktien fundamental zu analysieren gibt uns als Anleger die Möglichkeit die Vergangenheit und Gegenwart eines Unternehmens zu verstehen und einen Ausblick auf mögliche zukünftige Szenarien zu wagen. Häufig reicht bereits ein kurzer Blick auf wichtige Kennzahlen, um ein Unternehmen als potenziell interessant oder uninteressant für das eigene Portfolio zu klassifizieren. Weiterführende Analysemethoden sollen dann das Bild das wir von einem Unternehmen haben konkretisieren.

Ohne einen Eindruck davon zu haben, in welchen Umfeld ein Unternehmen agiert und insbesondere wie es sich ökonomisch dabei schlägt, ist es riskant darin zu investieren, da die Gefahr besteht, entweder zu teuer, oder schlicht ein schlechtes Unternehmen zu kaufen. Bist du nicht bereit ein Unternehmen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, solltest du von Einzelaktien lieber komplett die Finger lassen. Selbst wenn du prinzipiell ein Top Unternehmen kaufen willst, kannst du ohne fundamentale Aktienanalyse nicht einschätzen, ob es zum aktuellen Zeitpunkt ein guter oder schlechter Kauf ist.

Beispiel:
Stell dir vor, du möchtest einen Gebrauchtwagen kaufen. Glaubst du allen Versprechungen des Verkäufers blind? Selbstverständlich nicht! Du willst eine Probefahrt machen, schaust in den Motorraum, checkst ob alle Inspektionen gemacht wurden und vor allem, ob der Preis gerechtfertigt ist.

Verhalte dich bei der Aktienauswahl ähnlich wie beim Gebrauchtwagenkauf! Wie Christian Friedrich Hebbel sagte „Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist.“ Die fundamentale Aktienanalyse hilft dir dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen und verborgene Schätze zu heben. Wendest du sie nicht an, ist es an der Börse sehr wahrscheinlich, dass du dir einige faule Eier ins Portfolio legst und die Schätze dafür links liegen lässt!

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