Die Bruttomarge – Auf der Suche nach Wettbewerbsvorteilen!

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Du bist auf der Suche nach Unternehmen die einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil besitzen? Doch wo kannst du mit der Suche nach solchen Aktienperlen am besten beginnen? Wäre es nicht schön, wenn es eine Kennzahl gibt, die dir einen Hinweis darauf gibt, ob es sich eventuell um ein Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil handelt! Die Bruttomarge (Gross Margin) kann solch ein erster Hinweis auf der Suche nach einem Wettbewerbsvorteil sein.

Doch was ist die Bruttomarge (Gross Margin) eigentlich, wie berechnet sich diese und vor allem wie kann diese dir dabei behilflich sein einen Wettbewerbsvorteil zu identifizieren?

Damit du das Konzept der Bruttomarge verstehen kannst, müssen wir uns zuerst den Bruttoertrag bzw. den Bruttogewinn (Gross Profit) ansehen.

Was ist der Bruttoertrag (Gross Profit)?

Der Bruttoertrag (Gross Profit) zeigt dir, wie viel Geld das Unternehmen verdient hat, nachdem die Kosten die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den produzierten Produkten oder Dienstleistungen stehen, abgezogen worden sind. Diese Herstellungskosten (Costs of Goods Sold) sind z.B.  Rohmaterialien und/oder die Arbeitskraft die für die Herstellung der Waren/Dienstleistungen benötigt worden ist. Der Bruttoertrag zeigt dir also die Differenz zwischen Umsatzerlösen (Sales Revenue) und dem dafür benötigten Material- und Arbeitseinsatz.

Merke: Vertriebs- und allgemeine Verwaltungskosten (Selling, General and administrative Expenses), Abschreibungen (Depreciation) und Zinsaufwendungen (Interest Expenses), die beim operativen Geschäft eines Unternehmens ebenso anfallen, sind beim Bruttoertrag noch nicht berücksichtigt.

So wird der Bruttoertrag berechnet:

Um den Bruttoertrag (Gross Profit) zu berechnen, werden von den Umsatzerlösen (Sales Revenue) die Herstellungskosten (Costs of Goods Sold) abgezogen. Die Formel lautet demnach:

Bruttoertrag = Umsatzerlöse – Herstellungskosten

Vom Bruttoertrag zur Bruttomarge

Ein reiner Geldbetrag, wie er bei der Bruttomarge ausgewiesen wird, ist immer schwerer einzuordnen als ein prozentualer Wert. Bilden wir also nun einen leichter zu interpretierenden prozentualen wert aus dem Bruttoertrag, erhalten wir die Bruttomarge (Gross Margin).

Die Gross Margin wird so berechnet:

Bruttogewinn (Gross Profit) / Umsatzerlöse (Sales Revenue) = Bruttomarge (Gross Margin)

Da uns der Bruttogewinn recht wenig verrät, haben wir also nun die Bruttomarge gebildet. Hierdurch lassen sich Rückschlüsse über den Unternehmenscharakter treffen. Es lässt sich beobachten, das Unternehmen die einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil besitzen, häufig eine beständig hohe und vor allem höhere Bruttogewinnspanne (Gross Margin) haben, als Unternehmen bei denen kein Wettbewerbsvorteil besteht.

Warum ist eine hohe Bruttomarge oft ein Indiz für einen Wettbewerbsvorteil?

Wenn wir uns die Frage stellen, warum eine beständig hohe Bruttogewinnspanne häufig auf einen Wettbewerbsvorteil hinweist, kommen wir zu dem Ergebnis, das solche Unternehmen aus irgendeinen oder auch mehreren Gründen, oft die Freiheit haben, die Preise für Ihre Produkte und Dienstleistungen deutlich über den eigenen Umsatzkosten anzusetzen.

Beispiel: Die meisten Menschen denken, wenn sie eine Cola trinken möchten an eine Coca Cola. Warum? Weil Coca Cola die „echte“ Cola ist. Das war immer so und das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft so bleiben. Zudem hat der Einzelhandel immer nur einen begrenzten Platz zur Präsentation bestimmter Produktgruppen, weshalb in der Regel bekannte Marken diese Plätze einnehmen. Andere Hersteller haben es daher schwer einen flächendeckenden Vertrieb zu erschließen. Ein glasklarer Wettbewerbsvorteil!

Ohne einen Wettbewerbsvorteil müssten die Unternehmen oft über den Preis für ihr Produkt mit ihren Mitstreitern konkurrieren, was einer Profitabilitätssenkung entspricht. Als Investor wollen wir allerdings keine unprofitablen Unternehmen.

Was ist eine niedrige, und was eine hohe Bruttomarge?

Eine sehr allgemeine Regel, die natürlich nicht immer zutrifft, ist:

  1. Unternehmen mit einer dauerhaften Gross Margin von 40% und höher sind tendenziell oft Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil.
  2. Unternehmen mit einer Gross Margin von unter 40% sind häufig Unternehmen in wettbewerbsintensiven Märkten.
  3. Liegt die Gross Margin unter 20% ist dies oft ein Indikator für eine Branche mit hohem Konkurrenzdruck in welcher sich kein Unternehmen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann.

Unternehmen ohne Wettbewerbsvorteil und harter Konkurrenz sind keine Unternehmen die du langfristig besitzen willst.

Das Überprüfen einer dauerhaft hohen Bruttomarge (Gross Margin) ist für dich also ein erstes Indiz, auf der Suche nach Unternehmen mit dauerhaftem und darum vermutlich nachhaltigem Wettbewerbsvorteil. Das Augenmerk liegt hier ganz klar auf dem Wörtchen dauerhaft nachhaltig! Das bedeutet für dich, dass du die letzten 5 Jahre oder sogar länger auf eine konstant hohe Bruttomarge überprüfen solltest.

Hohe Bruttomarge und doch kein dauerhafter Wettbewerbsvorteil?

Hast du nun ein Unternehmen gefunden, das die letzten Jahre eine Bruttomarge über 40% hatte, heißt dies allerdings nicht, das das Unternehmen seine Konkurrenten bis in alle Ewigkeit abgehängt hat.

Es gibt einige Fallstricke, wie der vermeintliche Wettbewerbsvorteil wieder zunichte gemacht wird. Wird die hohe Bruttomarge z. B. von sehr hohen Forschungskosten (Research & Development), hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten (Selling, General & administrative Expenses) und hohe Zinskosten für Verschuldung (Interest Expenses) aufgefressen, kann das Unternehmen seine aktuelle Position nur mit einem immensen Geldaufwand aufrechterhalten. Diese Betriebsaufwendungen werden auch operative Kosten (operating Expenses) genannt.

Merke: Es ist wichtig, die Finger von Unternehmen zu lasen, die beständig hohe Kosten in diesen Bereichen aufweisen. Die großen Aufwendungen, die diese Unternehmen leisten müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben, können sehr schlechte Investments sein. Das meiden von Unternehmen die durch diese Bedingungen zur Mittelmäßigkeit verdammt sind (auch bei niedrigen Kursen) sollte man daher berücksichtigen.

Fazit zu Bruttomarge:

Auf der Suche nach Wettbewerbsvorteilen kann dir die Bruttomarge eines Unternehmens als erster Anlaufpunkt sehr nützlich sein. Sie ist leicht zu berechnen und zu interpretieren. Wie immer gilt allerdings auch hier, dass es nur ein Puzzlestück ist, welches du auf jeden Fall mit weiteren Analysen kombinieren musst.

Tipp:
Auf der Website finviz  findest du einen hilfreichen Stockscreener mit denen du ganz einfach nach Unternehmen mit einer hohen Gross Margin suchen kannst.

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