Die Benjamin Graham Zahl

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Die Graham Zahl wurde nach dem Urvater des Value Investing, Benjamin Graham, benannt. Nachdem Benjamin Graham ein Investor war, der nach günstigen Gelegenheiten suchte und nicht zu viel für eine Aktie bezahlen wollte, war eine seiner Methoden um einen günstigen Kauf sicherzustellen die Graham Zahl.

Seine Faustregel um nicht zu teuer zu kaufen war:

  1. Keine Aktie mit einem PE Ratio (Kurs-Gewinn-Verhältnis) über 15 zu kaufen.
  2. Keine Aktie mit eine P/B-ratio (Kurs-Buchwert-Verhältnis) über 1,5 zu kaufen.
Hinweise:
  • Das PE Ratio oder Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Kurs einer Aktie in Relation zum aktuellen Gewinn einer Aktie.
  • Das P/B Ratio oder Kurs-Buchwert-Verhältnis setzt den Kurs einer Aktie in Relation zum aktuellen Buchwert einer Aktie.

Aus dieser Faustregel ging die Formel für die Graham Zahl hervor, die lautet:

Graham Zahl Formel

Die genaue Herleitung der Formel ersparen wir dir an dieser Stelle, aber was macht die 22,5 in dieser Formel? Um diese Faustregel in eine einfache Formel zu integrieren, multiplizierte Benjamin Graham das maximale KGV von 15 mit dem maximalen Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,5, was einem Multiplikator von 22,5 entspricht!

Werden in diese Formel der Gewinn je Aktie und der Buchwert je Aktie eingegeben, erhalten wir den maximalen Kurs, den man für eine Aktie zahlen sollte. Liegt der aktuelle Kurs unter der Graham Zahl, ist das Unternehmen prinzipiell ein Kauf. Ziemlich simpel oder? Nicht wirklich, da, auch wenn es auf vielen Internetseiten anders dargestellt wird, man die Formel für die Graham Nummer nicht isoliert betrachten sollte und sich bewusst sein muss, wann deren Anwendung überhaupt Sinn macht! Nachfolgend erfährst du, welche Kriterien erfüllt sein sollten, damit die Anwendung der Graham Zahl Sinn ergibt.

Hinweis: Graham nutze für den Gewinn je Aktie einen 3-Jahres-Durchschnitt! Auf vielen Seiten (insbesondere amerikanischen, findest du den TTM EPS (Trailing twelve months), also den Durchschnitt der letzten 4 Quartale.

Möchtest du einen längeren Jahresdurchschnitt wie Benjamin Graham für die Berechnung nutzen, musst du diesen selbst bilden! Nutze hierfür Seiten wie MSN Money oder Yahoo Finance oder schaue direkt in den Quartals- bzw. Jahresberichten des jeweiligen Unternehmens nach!

Qualität und Quantität – Was ist bei der Graham Zahl zu beachten?

Die Graham Zahl ist eine konservative Vorgehensweise für defensive Investoren. Dies bedeutet, dass die Zahl nur von Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont benutzt werden sollte. Zudem hat Benjamin Graham Kriterien festgelegt, mit denen man ein Unternehmen, bevor die Graham Zahl ermittelt wird, auf Tauglichkeit prüfen sollte!

Ein Kauf auf Grundlage der Graham Zahl kommt also nur infrage, wenn folgende Kriterien zutreffend sind:

  1. Größe bedeutet oft Sicherheit!

Das Unternehmen muss einen Umsatz (Sales Revenue) von mindestens 450 Millionen € haben.

Anmerkung: Ursprünglich wurden 100 Millionen $ Mindestumsatz von Benjamin Graham empfohlen. Aufgrund der Inflation seit 1970 muss diese Zahl allerdings auf umgerechnet ca. 450 Millionen € angepasst werden.

Tipp: Achte darauf das der Umsatz zumindest konstant geblieben, im Idealfall sogar die letzten Jahre stetig gestiegen ist.

  1. Finanzielle Solidität prüfen, um einen Bankrott zu verhindern!

Finanzielle Solidität bedeutet Sicherheit und laut Benjamin Graham müssen dafür folgende Bedingungen erfüllt sein:

Das Umlaufvermögen (Current Assets) sollte mindestens zweimal den kurzfristigen Verbindlichkeiten (Current Liabilities) entsprechen. In anderen Worten sollte das sogenannte Current Ratio, auf Deutsch die Liquidität 3. Grades, mindestens 2 betragen.

Hinweis: Current Ratio = Umlaufvermögen/kurzfristige Verbindlichkeiten

Merke: Current Ratio > 2

Die langfristigen Verbindlichkeiten (Long Term Debt) sollten das Nettoumlaufvermögen (Working Capital) nicht übersteigen.

Hinweis: Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Merke: Langfristige Verbindlichkeiten < Working Capital

  1. Ertragsstabilität prüfen!

Prüfe, dass das Unternehmen die letzten 10 Jahre kein Jahr einen Verlust gemacht hat! Unternehmen, die positive Erträge über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können, sind stabiler und haben meistens ein nachhaltigeres Geschäftsmodell als solche, die es nicht können.

  1. Konstante Dividendenausschüttung prüfen!

Das Unternehmen sollte in jedem der vergangenen 20 Jahre konstant Dividenden gezahlt haben. Unternehmen die es sich leisten können ohne Probleme Dividenden über einen langen Zeitraum auszuschütten sind häufig sehr solide!

Tipp: Noch besser ist es selbstverständlich, wenn die Dividenden regelmäßig erhöht wurden!
  1. Konstanten Gewinnwachstum prüfen!

Das Unternehmen sollte seinen Gewinn in den letzten 10 Jahren um mindestens 1/3 gesteigert haben. Die Erklärung, warum die Steigerung der Gewinne ein positives Zeichen ist, sparen wir uns an dieser Stelle 😉

Erfüllt das Unternehmen alle 5 vorangegangenen Kriterien, geht es mit den folgenden beiden Kriterien also um die Graham Nummer im engeren Sinne!

  1. Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 15
Hinweis: KGV (PE Ratio) = Aktienkurs/Gewinn pro Aktie (Earnings per Share bzw. EPS)
  1. Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1,5
Hinweis: KBV (P/B Ratio) =Aktienkurs/Buchwert je Aktie (Book Value per Share)

Wie man sieht, hat Benjamin Graham bevor er die Graham Zahl berechnete zuerst bestimmte Qualitäts- und Quantitätsmerkmale des betreffenden Unternehmens überprüft. Erst Kriterium 6 und 7 werden für die Berechnung der Graham Zahl benutzt.

Es besteht durch den weiter oben erwähnten Multiplikator von 22,5 bei den letzten beiden Kriterien etwas Spielraum! Beträgt zum Beispiel das Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,7 und dafür das KGV nur 12, kannst du die Graham Zahl trotzdem berechnen. Driften die Werte allerdings zu Weit von Benjamin Grahams Vorgaben ab, solltest du davon absehen die Graham Zahl als Bewertungsmethode zu nutzen.

Mit welchen Einschränkungen ist bei der Graham Zahl zu rechnen!

  • Die Graham Zahl ist nicht für stark wachsende Unternehmen gemacht, da sie keinerlei Wachstumsannahmen beurteilt!
  • Unternehmen mit wenigen materiellen Vermögenswerten (Tangible Assets) werden von der Graham Zahl unterschätzt. Beispielsweise eignet sich die Graham Zahl nicht für Softwareunternehmen, da diese aus dem Geschäftsmodell heraus natürlich wenige materielle Vermögenswerte in Ihrer Bilanz stehen haben. Auch Dienstleister haben naturgemäß relativ wenig materielle Vermögenswerte.
  • Die Graham Zahl funktioniert nur mit Unternehmen, die ein positives Ergebnis (Gewinn) vorzuweisen haben.
  • Zyklische Geschäftsmodelle oder Unternehmen, die in ihren typischen Abschwung Phasen auch mal Verluste einfahren, werden von dieser Methode abgestraft. Daher ist es sinnvoll einen Durchschnittswert der vergangen 3, oder sogar 5 Jahre des Gewinns je Aktie (EPS) zu bilden und diesen für die Berechnung der Graham Zahl zu nutzen.

Zusammenfassung der Vorgehensweise zur Graham Zahl!

Arbeite die Punkte 1-7 ab und wenn diese Kriterien positiv im Sinne der Graham Zahl ausfallen, kannst du mit der Formel

Graham Zahl Formel

die Graham Zahl ermitteln. Liegt die Graham Zahl unter dem aktuellen Kurs, kann über ein Investment in das entsprechende Unternehmen nachgedacht werden. Die Graham Zahl ist somit so etwas wie der faire Wert (Intrinsic Value) des Unternehmens. Aber denke hierbei an das zentrale Konzept des Value Investing: Die Sicherheitsmarge!

Hast du die Graham Zahl ermittelt und liegt diese z. B. bei 25 € und der aktuelle Kurs steht bei 24,50 €, hast du so gut wie keine Sicherheitsmarge! Hier erfährst du, was die Sicherheitsmarge überhaupt ist!

Plane also eine Sicherheitsmarge ein, die deinem Risikoprofil entspricht ein. Das bedeutet, wenn deine Sicherheitsmarge z. B. bei 25 % unter dem fairen Wert liegt, gehst du erst ein Investment in das Unternehmen ein, wenn der aktuelle Kurs mindestens 25 % unter der von dir ermittelten Graham Zahl liegt.

Die wirklich hervorragenden Bücher von Benjamin Graham findest du hier!*

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